Dunkelcafé Siegen: Hier sind die Blinden die Sehenden

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Haben Sie schon mal von der Erlebnis-Gastronomie ohne Licht gehört? Restaurants, in denen Sie in einem lichtlosen Raum von Nicht-Sehenden bedient werden und ein vielseitiges Programm geboten wird.

Seit 2005 gibt es ein Dunkelcafé in der Siegener Oberstadt. Wie ist es, wenn die Welt um einen herum dunkel ist? Was für Nicht-Sehende ganz normaler Alltag ist, birgt im „Dunkelcafé“ in Siegen für Sehende ganz neue Erfahrungen.

Auch wir wollten diese Erfahrung  machen. Wir, dass sind Gerd Braas und Uwe Polzin, von gesundheit.si.

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In einer Art Polonaise werden wir von Jan Meyer-Krügel an die Tische geführt. Schon die ersten Schritte hinter dem schwarzen Vorhang sind eine Herausforderung, weil man nichts sieht. Es ist nicht einfach dunkel. Es ist völlig schwarz. Ob wir die Augen öffnen oder schließen, macht keinen Unterschied. Die Hände sind wichtig, wenn man plötzlich nichts mehr sieht. Jan Meyer-Krügel braucht seine nicht mehr so häufig. Seit acht Jahren ist er blind. Er hat das Dunkelcafé in der Siegener Oberstadt gegründet – um trotz und gerade mit der Behinderung etwas auf die Beine zu stellen. Auf 33 Quadratmetern zeigt er seitdem, wie es ist, blind zu sein.

Wir sind aber nicht die Einzigen die diese Erfahrung machen wollen, mit uns im Café ist der komplette Mittelkurs der Krankenpflegeschule des Kreisklinikums Siegen. Die Schüler sollen in diesen Projekt-Unterricht lernen, sich in die Welt von blinden oder sehbehinderten Patienten hinein zu denken.

 

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Jan berichtet von sich, von seinem Unfall vor einigen Jahren. Er war nicht von Geburt aus blind. Jugendlicher Leichtsinn war es, welcher sein Leben veränderte. Den genauen Unfallhergang will er uns nicht verraten. Aber schnell entführt er uns mit spannenden Geschichten, lustigen Erlebnissen und fesselnden Abenteuern auf eine angenehme Reise in die Welt der Blinden.

Dann sitzen wir etwas verloren  in dem stockfinsteren Raum, wir warten auf unseren Kuchen. Jan hat uns kurz allein gelassen. Dann ein Knarren. Die Tür öffnet sich. Sofort werden wir aufmerksam. „Blinde hören nicht besser. Sie konzentrieren sich nur eher auf die Geräusche um sie herum“, informiert Jan und bringt mit seinem Mitarbeiter Ashraff Salem den Kuchen.

Das Essen  wird zu einer echten Herausforderung. Im Dunkeln die Orientierung zu behalten ist schwierig, mit der Gabel den Kuchen zu treffen fast unmöglich. Jedenfalls für uns. Es ist so eigenartig, im Dunkeln zu essen. Der  Kuchen  schmeckt köstlich. „Ich habe mich relativ schnell ans Blindsein gewöhnt.“, sagt Jan. Er lerne aber bis heute immer noch dazu. Bei Ashraff ist das anders. Er ist von Geburt an blind. Erst mit drei Jahren merkte er überhaupt, dass bei ihm etwas anders ist. Ein Problem hat er damit nicht: „Ich habe nicht kennen gelernt, wie es ist zu sehen, also kann ich es auch nicht vermissen.“ Ob Skifahren, Judo oder weite Reisen ganz allein – einschränken lässt er sich nicht. „Ich renne einfach drauf los“, sagt er.

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Eine Weile nichts zu sehen ist eine Erfahrung, die Augen öffnen kann.

„Die meisten denken, Blinde seien hilflos. Wenn sie dann bei uns waren, sind sie überrascht, wie selbstständig wir sind“, erklärt Jan. Im Siegener Dunkelcafé ist er der Sehende. Als wir das Dunkelcafé verlassen und in den hellen Vorraum treten, sind alle wie geblendet. Uns hat es im Siegener Dunkelcafé sehr gut gefallen und wir werden sicher nochmals dort vorbei schauen.

 

Kontaktdaten:
dunkelcafé • kölner strasse 11 • 57072 siegen-oberstadt
tel 0271-2367694 • mobil 0176-24820724
e-mail info@dunkelcafe-siegen.de • web www.dunkelcafe-siegen.de

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Autor: Gerd Braas
Bilder: Uwe Polzin
Quellen: derWesten / Homepage Dunkelcafe Siegen


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